David Ben Dor

„Schweigen, Schreiben und Sprechen“

Für David Ben Dor ist die Beschäftigung mit der Erinnerung und der damit verbundenen Zeugenschaft ein wichtiger Impuls für die Niederlegung seiner Lebensgeschichte. Diese Themen verbinden ihn mit Primo Levi, dessen Texte über seine Inhaftierung zur NS-Zeit berühmt geworden sind. Ein Zitat von Levi stellt Ben Dor auch seinem Buch „Die schwarze Mütze“ voran:  „Überlebt haben die Schlimmsten, und das heißt die Anpassungsfähigsten. Die Besten sind alle gestorben.“ (Ben Dor, Die schwarze Mütze, 2000, S. 7)

Dieses Zitat kann gleichsam als ein Leitmotiv für die Auseinandersetzung Ben Dors mit seinem Leben zur Zeit des Nationalsozialismus gelten: Er sucht nach den Ursachen für die Vernichtung der Juden und stellt dabei unbequeme Fragen nach Schuld und Mitschuld – vornehmlich an die eigene Person. Seine Ausführungen lassen erkennen, wie schmerzhaft für die Überlebenden das Sprechen und Schreiben über das erlittene Leid ist. Und wie leidvoll es sich gestaltet, wenn – auch in den Familien – kaum Interesse an den eigenen Lebensberichten besteht.

Wie dieser Prozess – vom Schweigen zum Schreiben zum Sprechen – in Gang gekommen ist, schildert Ben Dor eindrücklich in seinem Buch: Seine jüngste Tochter Nili befragte ihn intensiv zu seiner Geschichte; diese Fragen hatten zur Folge, dass er seiner persönlichen Geschichte einen „Wert“ abzugewinnen versuchte: „ich erzählte jungen Menschen, wie es wirklich gewesen war; wie wir, wenn wir uns nicht bestimmte Regeln und Grundsätze für unser Leben zu eigen machen, bald beginnen, mit den Wölfen zu heulen und schließlich selbst einer von ihnen werden.“ (Ben Dor, Die schwarze Mütze, 2000, S. 136)